Ausgangspunkt qualitativer Pflegeprozesse
Das pflegerische Basis-Assessment (BAss) unterstützt den ersten Schritt im Pflegeprozess, die digitale Erfassung der pflegerischen Anamneseinformationen. Wichtige pflegerelevante Informationen werden mit einer Fachsprache standardisiert und systematisch erfasst. Ziel ist es, Ressourcen, Einschränkungen und Risiken der pflegeempfangenden Person so konkret wie möglich einzuschätzen. Darauf aufbauend können Pflegebedarfe erkannt und Maßnahmen abgeleitet werden.
Keyfacts
- Standardisierte und systematische Erhebung pflegerelevanter Anamneseinformationen
- Unterstützt das Personalmanagement durch Fallschwerebestimmung mit dem “BAss-Nursing-Case-Index”
- Unterstützt die Pflegeprozessplanung durch Ableitung evidenzbasierter Pflegediagnosen auf Grundlage anerkannter Pflegefachsprachen (z. B. ENP/NANDA-I)
- Vereinfacht die Auswahl von Pflegemaßnamen durch die Ableitung von ENP-Interventionen aus den BAss-Ergebnissen
- Unterstützt die Evaluation von Patientenzuständen
- Automatische Risikoskalen-Ermittlung (z. B. Braden-Skala, Hendrich-Skala, Barthel-Index u. a.)
- Berechnet automatisch erlösrelevante Skalenwerte für den Kodierprozess des OPS 9-984 Pflegebedürftigkeit und der U50 bis U52 (Barthel-Index, Erweiterter Barthel-Index, Frührehabilitations-Barthel-Index)
- Ermittelt Erschwernisfaktoren für die PPR 2.0
Sechs Module, volle Übersicht
Die ersten vier Module des pflegerischen Basis-Assessments fragen die zentralen körperlichen, psychischen und kognitiven Fähigkeiten und Einschränkungen ab.
Die Module decken sich inhaltlich und hinsichtlich ihrer Punktwertabstufung mit den ersten vier Modulen des Neuen Begutachtungs-Assessments (NBA) des Medizinischen Dienstes, was eine Prognose des voraussichtlichen Pflegegrades ermöglicht. Sie wurden darüber hinaus gezielt um wichtige Informationsbausteine, wie beispielsweise Sturzhistorie, erweitert. Mit den Modulen fünf und sechs werden potenzielle Risiken und Überwachungsbedarfe identifiziert. Entsprechend dem pflegefachlichen Urteil wird durch das Befüllen des BAss ein Punktwert ermittelt („BAss-Nursing-Case-Index“).
Mehr als ein Assessment
Das BAss nutzt integrierte Mappings, die über die reine Pflegeanamnese hinausgehen. Relevante pflegerische Skalen werden automatisch berechnet – ganz ohne zusätzlichen Erhebungsaufwand. Hierdurch unterstützt es zuverlässig verschiedene Ausleitungen und Kodierprozesse.
Enthaltene Scores:
- Barthel-Index (DIMDI-konform)
- Erweiterter Barthel-Index (DIMDI-konform)
- Frührehabilitations-Barthel-Index (DIMDI-konform)
- Modifizierte Braden-Skala (Dekubitusrisiko)
- Hendrich-Skala (Sturzrisiko)
- Die Module 1 bis 4 des Neuen Begutachtungs-Assessments (NBA)
Ausgangspunkt im Pflegeprozess
Das BAss bildet eine optimale Basis für alle weiteren Schritte im Pflegeprozess. Durch die Verknüpfung mit evidenzbasierten Klassifikationssystemen wie NANDA-I oder ENP lassen sich Pflegediagnosen direkt aus dem Assessment ableiten. Auch die anschließenden Prozessschritte profitieren durch die gezielten Vorschläge von ENP-Pflegeinterventionen – für eine strukturierte, effiziente und qualitätsorientierte Pflegeplanung. Darüber hinaus können die im pflegerischen Interventionskatalog hinterlegten Zeitwerte zur Fallkosten- und Pflegepersonalberechnung genutzt werden.
Datenbasierte Auswertungsmöglichkeiten
Alle Items im BAss sind strukturiert und haben ein hinterlegtes Kodierungs- und Bewertungssystem. Das BAss ermöglicht so die Ableitung aussagekräftiger Score-Werte, die zur Qualitätssicherung, Personalplanung und Versorgungssteuerung genutzt werden können. Der „BAss-Nursing-Case-Index“ berechnet sich direkt aus der BAss-Dokumentation und gruppiert Pflegeempfangende entsprechend ihrer pflegerischen Komplexität in zehn Fallschweregrade ein. So wird quasi wie von selbst die Fallschwere einer zu pflegenden Person ermittelt und auf diese Weise das pflegerische Casemanagement unterstützt.
Neben der Abbildung der individuellen Fallschwere kann der BAss-Nursing-Case-Index auch für eine übergreifende Beurteilung genutzt werden, beispielsweise zur Darstellung der gesamten Arbeitslast einer Station.
Durch die Erfassung zentraler Module des Neuen Begutachtungs-Assessments (NBA) kann eine erste Prognose für den voraussichtlichen Pflegegrad und poststationären Pflegebedarf abgeleitet werden, wodurch wichtige Aspekte des Entlassmanagements unterstützt werden.
Sektorenübergreifender Einsatz
Das BAss eignet sich als standardisiertes Assessment für eine sektorenübergreifende Nutzung. Es erfasst nicht nur Patientenzustände im Kliniksetting, sondern über die Verbindung der ersten vier Module zum Neuen Begutachtungsassessment (NBA) auch wichtige Aspekte der Langzeitpflege.
Die Fachgesellschaft Profession Pflege e. V., die an der Entwicklung des Instruments beteiligt war, hat eine detaillierte Beschreibung des Instruments veröffentlicht.
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